Die Sperre des Lance Armstrong – eine Blockaden-Promenade

Der Sport bedeutet für den Energetiker ähnliches wie das Krankhaus für den Arzt. Es gibt viel zu tun. Denn was für den Arzt Verletzungen und Krankheiten sind, sind für den Energetiker Blockaden. Und die sind im Sport enthalten wie der Zucker im Sirup. Ein Versuch, die Dinge mal etwas anders zu sehen.

Es trifft einen schon ein wenig im Sportlerherzen, wenn man die Schlagzeilen über die aberkannten Tour de France Siege und der lebenslangen Sperre eines Sportlers wie Lance Armstrong liest. Noch dazu, wenn man bei seinen legendären Solo-Angriffen in den steilen Rampen der französischen Berge als Zuschauer vor dem Fernseher beinahe den gleichen Puls als Armstrong selber hatte (ich machte mal den Versuch mit Pulsgurt: 20 Schläge Anstieg meines Pulses als es zum Angriff gegen Jan Ullrich kam).

Und liest man heute die Berichterstattung, so wird es wohl ein Geheimnis bleiben, was damals wirklich geschah. Denn sowohl die Position der US-Anti-Doping-Behörde (USADA) als auch die von Lance Armstrong sind, zumindest für mich, völlig undurchsichtig was deren tatsächlichen Absichten und Motive anbelangt.

Was aber sehr wohl beleuchtet werden kann, sind andere Faktoren des Sportes, die zu solchen Schlagzeilen führen. Faktoren die entweder Blockaden verursachen, Blockaden lösen oder Blockaden erst gar nicht entstehen lassen. Man kann sowohl als Sportler, als Trainer, als Manager oder als begeisterter Sportfan sich auf verschiedenste Art ein Bild auf das Ganze machen. Und dieser Artikel ist ein möglicher Blickwinkel, den man einnehmen kann. Dazu muss man das Ego etwas genauer betrachten, um anschließend seine Machenschaften einordnen und neue Perspektiven einnehmen zu können. Am Ende wird der ein oder andere die dort angeführten Fragen vielleicht schon heute etwas anders beantworten.

Blockaden entstehen, wenn das EGO den Ton angibt

Das Ego eines Menschen ist verletzlich, fühlt sich häufig angegriffen und versucht sich ständig selbst zu bestätigen. Zudem hat es permanent das Gefühl, dass noch etwas fehlt. Entweder ein wenig Erfolg, ein wenig Macht, ein wenig Prestige oder ein wenig Geld.

“Das Ego eines Menschen ist verletzlich, fühlt sich häufig angegriffen und versucht sich ständig selbst zu bestätigen”

Doch egal in welcher Art und Weise oder Stärke sich das Ego bemerkbar macht, es bildet die Grundlage für Blockaden für jeden Menschen. Während das Ego versucht, die Dinge zu trennen, zu unterscheiden,  Einzigartigkeit zu erlangen, liegt die wahre und erfüllende Einsicht in der Tatsache, dass es genau umgekehrt ist. Und dann sprechen wir von einer ganz anderen Ebene. Mit der des Herzens oder der Seele. Diese Ebene ist gekennzeichnet durch Verbundenheit, Ganzheit und Vollkommenheit. Also genau das Gegenteil von dem, was das Ego versucht zu erlangen. Wenn man mit Energie arbeitet, spürt man diese umfassende Kraft und zugleich schult man das Auge dafür, was diese positive Energie unterbricht, was also zu Blockaden führt.

Der Erfolg des Egos – ein toller Nährboden für Blockaden

Das entscheidende Kriterium für eine mögliche Kategorisierung von Erfolg ist, wie das Verhältnis ist zwischen Erfolg und dem, was man dafür tun muss. Das heißt, ist der Erfolg selbst nur das natürliche Produkt von dem, was wir gerne tun, was wir in unserem Leben als unsere Aufgabe erachten, so könnte man diesen Erfolg in die Kategorie „Seelen-Erfolg“ einstufen. Umgekehrt kann man jenes Verständnis von Erfolg, bei dem dieser als das primäre Ziel für das Tun steht, als den „Erfolg des Egos“ bezeichnen.

Das Ego und die Unzufriedenheit

Ausgangspunkt für diese letztere Kategorie ist eine innere Unzufriedenheit, die wiederum ausschließlich vom Ego erzeugt werden kann (die Seele weiß um ihre Vollkommenheit). Aus dieser inneren Unruhe heraus entwickeln sich Vorstellungen von künftigen Zuständen (Ziele), die dieses permanente Gefühl des „es fehlt noch etwas“ scheinbar umwandeln können in ein Gefühl des Friedens oder innerer Ruhe. Wie oben bereits erwähnt, ist es eine Eigenschaft des Egos, dass es trennt bzw. sich unterscheiden will. So wird also dieses Ziel und der damit verbundene Erfolg so gewählt werden, dass man sich von den „anderen“ unterscheiden kann. In anderen Worten wird es ein ergebnisorientiertes Ziel, das vom Erfolg bzw. von der Leistung der Konkurrenten abhängt.

An diesem Punkt beginnt sich bereits eine erste Blockaden-Spirale ins Negative zu drehen. Man versucht besser als die anderen zu sein. Ist man das nicht, so erzeugt dies ein Unwohlsein und eine Unzufriedenheit (Blockade). Zudem ist dieser gewählte Erfolg von der Leistung der Konkurrenten abhängig, was wiederum ein Gefühl der Hilflosigkeit in uns erzeugt. Ebenfalls ein Auslöser für innere Unruhe.

Es ist nie genug

Eine weitere Blockade  setzt an dem Punkt an, dass es nach Erreichen dieser Ziele nur einen kurzen Augenblick der wirklichen inneren Ruhe gibt. Ähnlich wie die Erfahrungen des Bergsteigers, der kaum an einem herausfordernden Felsen ganz oben angekommen, schon wieder ein neues Ziel braucht. Unser Gehirn, lässt man es einfach walten und schalten, füttert also das Ego sofort wieder mit Unzufriedenheit, beinahe so, als gäbe es wirklich ein Problem zu lösen.

“Unzufriedenheit bedeutet immer Blockade, denn es signalisiert unserer Seele, unserer Lebensenergie, dass etwas nicht stimmt, dass wir also an deren Vollkommenheit zweifeln. Und das schmeckt der Seele überhaupt nicht!“

Im Augenblick leben

Ein weiterer entscheidender Punkt, damit Blockaden gut gedeihen können, ist das Unvermögen des Gehirns, im Augenblick zu leben. Es hindert uns sogar daran, denn ist muss ständig beschäftigt werden.

“Nichts tun mag unser Gehirn überhaupt nicht!”

Das Gehirn als Werkzeug nutzen

Ausgangspunkt für die Macht des Egos in unserem Leben ist die Tatsache, dass die meisten Menschen ihr Gehirn nicht als Werkzeug benutzen, sondern es mit sich selber gleichsetzen. Das heißt man identifiziert sich mit jenen Gedanken, die im Gehirn entstehen. Eine Meisterleistung unseres hochentwickelten Gehirns, dass es uns vorgaukeln kann, wir wären diese Gedanken (Ego). Bewusstseinserweiterung in diesem Sinne bedeutet dann, dass wir uns genau dem bewusst und imstande sind, auch tiefer zu uns selber vorzudringen.

Zurück zur harten Realität des Sports

Wer den Fall Lance Armstrong, seine jetzige Sperre, die aberkannten Tour-Erfolge und die Sichtweisen der Antagonisten diskutieren will, kann dies auf zwei verschiedene Arten machen.

  1. Erstens auf die Art, wie es wohl die meisten machen, nämlich logische Argumente mit persönlichen Empfindungen zu vermischen und die Dinge in Gut und Schlecht zu unterteilen, um am Ende dann eindeutig Stellung zu beziehen.
  2. Oder zweitens zu versuchen, eine ganz andere, sozusagen blockadefreie Haltung einzunehmen, die nicht so sehr versucht zu unterscheiden, sondern vielmehr zu verstehen.

Folgende Vorstellung als kleines Gedankenexperiment: Man stelle sich konkret einen erfolgreichen Top-Sportler vor, wie er da steht, wie sein verletzliches und immer forderndes Ego als Schatten hinter ihm steht, in dem Verlangen, ständig besser sein zu müssen. Und daneben einen friedlichen, älteren indischen Mönch mit einem leisen Lächeln im Gesicht! Frage: siehst du das Ego irgendwo?

Das Entscheidende – Wie stehen wir dazu?

Dazu ein paar Gedanken und Fragen.

  • Ein Erfolg fürs Ego ist nicht das gleiche, wie ein Erfolg für die Seele.
    Welche Art von Erfolg ist bei Sportlern oder im Sport selber meist zu beobachten?
  • Ego-Erfolge brauchen Trophäen in verschiedensten Ausführungen (Medaillen, Pokale, Auszeichnungen, Listen,…).
    Was nimmt man also jemandem wirklich, wenn ihm die Siege aberkannt werden?
  • Ein Ego, welches das Gefühl der Unvollkommenheit vermittelt, kann jemanden zu Höchstleistungen bringen oder zwingen.
    Was wäre ein Sportler ohne dieses schwache Selbstwertgefühl?
    Und ist ein Sportler, dessen Antrieb diese innere Unzufriedenheit ist, wirklich ein geeignetes Vorbild für unsere Kinder?
  • Es gibt Sportler, die das, was sie tun einfach lieben.
    Welche Sportler könnten das sein?
  • Sieger gibt es nur einen, Gewinner kann es viele geben. Denn gewinnen kann man, in dem man weiß, dass man sein Bestes gegeben hat und einfach zufrieden ist.
    Wollen wir unsere Kinder zu Gewinnern oder zu Siegern machen?

Den Blickwinkel verändern heißt Blockaden lösen

Im Falle Lance Armstrong gibt es mit Sicherheit viele unbeleuchtete Details, die man je nach Blickwinkel verschieden einordnen kann. Die Größendimension, in der der Sport und solche Themen diskutiert werden, erfreut mit Sicherheit jene, die davon leben oder profitieren, inklusive derer, die Versuchen Doping-Sünder zu überführen. Aber letzten Endes sind die Leistungen meistens ein Produkt eines schwachen und sich minder vorkommenden Egos. Von wahrer Größe hat dabei weder der Ursprung der Motivation, noch die Leistung selbst, noch die ganze Diskussion. Zudem steckt hinter dem Ganzen eine funktionierende Geldmaschine, die kaum Interesse daran hat, dem Sport mit kritischen Betrachtungen seinen scheinbaren Glanz zu nehmen. Dabei muss man ja nicht auf die Attraktionen des Sportes selbst verzichten. Weder als Sportler, noch als Zuseher. Aber vielleicht sollte man den Sport in eine bescheidenere Abteilung des Daseins verbannen.

“Aber vielleicht sollte man den Sport in eine bescheidenere Abteilung des Daseins verbannen.”

Ich persönlich glaube, es wäre an der Zeit, sich andere Vorbilder zu nehmen. Und zwar weit radikaler als es bisher gefordert wird.

Ich meine damit Vorbilder, die ein Leben führen, welches von innerer Ruhe und Zufriedenheit gezeichnet ist. Eines, das die tiefe Zusammenhörigkeit allen Daseins spürt und dies in ihr Tun und Denken integriert. Eines wie es zum Beispiel Gandhi oder Mutter Teresa gelebt haben. Vielleicht ein etwas großer Sprung vom Sport zu Mutter Teresa, aber wie bereits gesagt, es darf ruhig ein wenig radikal sein. Oder?

Ein ehemaliger österreichischer Langstrecken-Läufer sagte einmal zu mir, er habe Jahre(!) dafür gebraucht, um eine ehrliche Antwort auf eine einzige Frage zu finden: „Warum hab ich diesen Sport und dieses ständig harte Training so lange gemacht?“. Die Antwort: „Weil ich die Aufmerksamkeit und die Bestätigung von anderen brauchte“.

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